Social-Media-Diskursanalyse der Debatte um die Volksbühne Berlin

01.03.2018

Die Kontroverse um den Leitungswechsel an der Volksbühne hat nicht nur die Berliner Kulturpolitik zweieinhalb Jahre bestimmt. Dr. Hanna Klimpe vom CCCOM hat für das Göttinger Institut für Demokratieforschung die Online-Debatte analysiert.

Der Vertrag eines Theaterintendanten wird nach 25 Jahren nicht verlängert, als Nachfolger wird ein Quereinsteiger aus der bildenden Kunst benannt. Diese Personalie aus der Berliner Kulturpolitik löste eine gesellschaftliche Kontroverse über Neoliberalismus, Gentrifizierung, deutsch-deutsche Geschichte, Internationalisierung und lokale Identität, die Definition und sozio-ökonomische Bedeutung des Ensemble- und Repertoiretheaters, die Marktkonformität des Kulturbetriebs und Legitimationskrise der Politik aus, die nicht nur in den Feuilletons, sondern vor allem auch im Internet debattiert wurde.

Eine nähere Betrachtung der Debatte ist aus zwei Gründen besonders lohnenswert: Erstens dient sie dem medienwissenschaftlichen Verständnis von sozialen Konflikten, die durch Online-Kommunikation ausgetragen werden. Zweitens wirft sie ein Schlaglicht auf die kulturelle Selbstverortung der Berliner Republik – dies nicht nur aus kulturpolitischer, sondern auch aus sozialer Perspektive. Denn im Zentrum des Konflikts geht es um die Aus-richtung eines der wichtigsten Theaterhäuser Deutschlands.

Hanna Klimpe untersucht in der aktuellen Ausgabe von INDES – Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, des Journals des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, in einer Diskursanalyse das Wechselverhältnis zwischen der Genese der Debatte im Feuilleton und ihrer Rezeption und Neuinterpretation in den sozialen Medien anhand einer Inhaltsanalyse der knapp 3.500 Kommentare der Online-Petition „Zukunft der Volksbühne neu verhandeln“. Im Zentrum des Interesses steht hierbei die Frage, ob und inwiefern bei dem Widerstand gegen den Intendanzwechsel an der Volksbühne von einem linken Widerstand gesprochen werden kann und für welche gesellschaftspolitischen Konflikte die Kontroverse stellvertretend steht.

Weitere Informationen zum Buch finden sich auf der Verlagsseite von Vandenhoek & Ruprecht.


Das CCCOM ist ein Competence Center der HAW Hamburg