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Dr. Christian Stöcker: "Im permanenten Umbruch das Beste aus digitalen Medien herausholen."

30.04.2016

Christian Stöcker, Ressortleiter "Netzwelt" von SPIEGEL ONLINE, wird ab September 2016 als Professor den Newsroom des CCCOM aufbauen und den neuen Master-Studiengang Digitale Kommunikation leiten. Im Interview verrät er seine Ziele.
Warum wechseln Sie vom Journalismus an die Hochschule?

Weil ich sehr gerne mit Studierenden zusammenarbeite und weil ich überzeugt bin, dass Journalisten und Kommunikatoren heute anders ausgebildet werden müssen, als das bislang in Deutschland meistens der Fall ist. In über elf Jahren in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE, fünf davon als Leiter des Ressorts Netzwelt, war der digitale Medienwandel mein journalistisches Kerngeschäft. Ich halte es für einen logischen Schritt, das Thema jetzt auch in der Ausbildung und in der Forschung anzugehen.

 

Was sind die größten Auswirkungen des digitalen Wandels?

Die Arten und Formen, in denen Journalismus und Kommunikation ihre Adressaten erreichen, die Verbreitung von Nachrichten und die globale Debatte über sie haben sich binnen weniger Jahre grundlegend verändert: Vom Siegeszug der Videospiele bis zum Aufstieg der YouTuber, vom Katzencontent über Anonymous bis hin zur sozial-medialen Echtzeitberichterstattung über Terror, Krieg und Katastrophen, von Mark Zuckerberg bis Edward Snowden. Medienhäuser, PR- und Werbeagenturen und auch die Marketing- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen und NGOs müssen umdenken. Ihnen standen noch nie so vielfältige und mächtige Werkzeuge zur Verfügung, von der Recherche bis zur Verbreitung und Diskussion ihrer Botschaften.

 

Welche Kompetenzen muss ein Qualitäts-Onlinejournalist und digitaler Kommunikationsspezialist heutzutage haben?

Es gibt völlig neue Wege, Informationen aufzubereiten, Geschichten zu erzählen und seine Zielgruppe zu erreichen. All das muss ein Journalist heute nicht nur wissen, sondern wirklich begreifen. Dazu gehört neben der klassischen Ausbildung zum Beispiel auch ein Grundverständnis der Funktionsweisen von sozialen Medien oder Suchmaschinen. Gleichzeitig geht es gerade in dieser Zeit nicht ohne die klassischen Tugenden, denn ohne die gibt es keine Glaubwürdigkeit und kein Publikum: Unabhängigkeit, gründliche Recherche und Verifikation, präzise, im Idealfall schöne Schreibe, souveräner Umgang mit klassischen ebenso wie crossmedialen Darstellungsformen, Hartnäckigkeit, Gespür für Themen, Verständnis für Zusammenhänge, Erklärkompetenz. Fast all das trifft übrigens auf andere Kommunikationsberufe ebenso zu wie auf Journalisten im engeren Sinne.

 

Was sind Ihre Ziele als Leiter des Studiengangs „Digitale Kommunikation“?

Ich will junge Leute in die Lage versetzen, in einer Medienwelt im permanenten Umbruch das Beste aus digitalen Medien herauszuholen. Wie auch immer der Journalismus und die journalistischen Plattformen der Zukunft aussehen, die Absolventinnen und Absolventen dieses Studienganges werden darauf vorbereitet sein.

 

Christian Stöcker (*1973) wurde 2016 als Professor für Digitale Kommunikation an die HAW Hamburg berufen. Ab 2005 war er Netzwelt-Redakteur bei SPIEGEL ONLINE, zuletzt als Ressortleiter. Er veröffentlichte die Bücher „Nerd Attack!“, "We are Anonymous" und „Spielmacher“. Stöcker gehört zu den wenigen deutschen Journalisten, die mit Dokumenten aus dem persönlichen Bestand von Edward Snowden gearbeitet haben. Er ist Co-Autor investigativer Enthüllungsgeschichten über die NSA, den GCHQ und andere Geheimdienste.
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